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Wochenblatt stellt engagierte Bürger vor / Olga Azarkina hilft bei SPAZ
MAINZ (vnd) – Denkt man an Ehrenamt, hat man oft schnell das Bild netter älterer Damen und Herren im Kopf, die nach dem Berufsleben nochmal auf ganz anderer Ebene einen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben leisten wollen. So lautet das Klischee und von ungefähr kommt es nicht: Haben doch Menschen im Berufsleben nur selten Zeit und Gelegenheit, neben Familie und Job auch noch ein Ehrenamt zu bekleiden. Nicht so Olga Azarkina: Die 26jährige Studentin arbeitet seit Ende Mai einmal in der Woche ehrenamtlich beim SPAZ, der Mainzer Gesellschaft für berufsbezogene Bildung und Beschäftigung gGmbH.
Erste Erfahrungen in ehrenamtlichen Tätigkeiten hatte Azarkina bereits beim TOM-Programm in Mainz und beim Buddy-Programm an der FH Wiesbaden gesammelt. Beide Organisationen unterstützen ausländische Studenten, die in Deutschland dauerhaft oder als Erasmus-Studenten studieren. Und doch war ihre Bewerbung beim SPAZ eher zufällig als geplant: Eine begeisterte Freundin, die sich für eine Stipendiumsbewerbung um ein Ehrenamt bemühte, erzählte ihr von den verschiedenen Möglichkeiten, die von der Mainzer Ehrenamtsagentur am Kirschgarten angeboten werden. „Ich war sofort begeistert und vereinbarte einen Termin für den nächsten Tag aus“, lacht die Studentin. Auf ihre Bewerbung hin erhielt sie verschiedene Angebote aus unterschiedlichen Bereichen des sozialen und kulturellen Lebens in Mainz und entschied sich letztendlich für die Arbeit beim SPAZ. Dort ist sie heute im Zentrum für Frauenförderung tätig, in dem jungen Müttern unter 30 Jahren der Wiedereinstieg ins Berufsleben möglich gemacht werden soll. „Viele der Frauen, die dort hinkommen, kommen aus dem Ausland, und entweder, sie haben gar keine Ausbildung, oder die, die sie haben, wird hier in Deutschland nicht anerkannt.“ Im Zentrum für Frauenförderung bekommen die Frauen kostenlose Sprach- und Computerkurse, es werden Ausbildungs- und Praktikumsplätze vermittelt. Dort gibt Azarkina zur Zeit Nachhilfe in Buchhaltung, doch sie hat weiterführende Pläne: Wenn möglich, möchte sie bald eine eigene kleine Gruppe Frauen persönlich in allen Bereichen betreuen. Schön findet Azarkina beim SPAZ vor allem die Atmosphäre: „Es ist alles sehr persönlich, man kennt sich beim Namen und fragt nach den Kindern.“
Die Motivation für ihre ehrenamtliche Tätigkeit zieht Azarkina vor allem auch aus ihren eigenen Erfahrungen. Die gebürtige Ukrainerin hatte zuhause bereits ein Studium der Elektrotechnik abgeschlossen, bevor sie vor fünf Jahren nach Deutschland kam. Auch ihre Ausbildung wurde hier nicht anerkannt: „Ich weiss, wie es ist, hier als Ausländer einen Job zu suchen und dabei keine Unterstützung zu bekommen. Jetzt wollte ich mich nützlich machen und andere mit meinen Erfahrungen unterstützen“, erklärt die 26jährige.
Sie selbst biss sich zunächst auf eigene Faust durch, schloss in Wiesbaden ein BWL-Studium mit Schwerpunkt Marketing ab. Seit September 2010 studiert sie in Mainz im „Master of International Business“.
Neben dem Ehrenamt und ihrem Studium arbeitet Azarkina in zwei Firmen in Mainz und Frankfurt zur Marktforschung, um ihr Studium zu finanzieren. Zuviel wird ihr das alles trotz der Arbeit beim SPAZ nicht: „Man sagt immer, man braucht viel Zeit für solche Sachen, aber das ist alles sehr flexibel und machbar. Ich kann mir vieles selber einteilen, und wenn mal etwas nicht geht, ist das eigentlich nie schlimm.“ Für ihr Engagement und ihre ausgezeichneten Studienleistungen ist Azarkina im letzten Jahr sogar ausgezeichnet worden: Aus der Hand des Präsidenten der Mainzer Fachhochschule erhielt sie im Mai den DAAD-Preis für hervorragende Leistungen ausländischer Studierender.
Mainzer Wochenblatt vom 28.07.2011
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