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Mainz - Die Zahl derjenigen Mainzer, die zu wenig verdienen, um ihren Lebensunterhalt davon zu bestreiten, nimmt immer mehr zu.
Laut Bernhard Dietrich von der Spaz-Schuldnerberatung ist die Zahl der sogenannten Armutsschuldner zwischen 2008 und 2010 um 18 Prozent gestiegen. Von 462 Personen, die im vergangenen Jahr eine fortlaufende Beratung in Anspruch nahmen, verfügten 209 über ein Einkommen zwischen 500 und 1000 Euro, 124 über Einkünfte wischen 1000 und 1500 Euro.
"Diese Menschen kommen mit ihrem Geld gerade so über die Runden", weiß Dietrich aus Erfahrung. "Wenn plötzlich die Waschmaschine kaputt geht oder eine Nachzahlung droht, sind sie ganz schnell in der Schuldenspirale." Das Gros steht mit Beträgen bis zu 5000 Euro in der Kreide. "Eine Summe, die anderen vielleicht gering erscheinen mag. Doch wenn jemand überhaupt keine Reserven oder Aussichten auf einen besser bezahlten Job hat, bleibt ihm letztlich nur der Weg in die Privatinsolvenz", sagt Dietrich und schildert den Fall einer Ratsuchenden, die keinen Cent mehr in der Tasche hatte, um den leeren Kühlschrank zu füllen.
Die Frau hatte bereits Harz IV beantragt, doch bis zur Genehmigung dauert es halt ein Weilchen. Für diese ganz akuten Notsituationen verfügt Spaz über einen Sozialfonds, gespeist aus Spenden und Bußgeldern. "Das sind zwar keine großen Beträge, aber es reicht zumindest aus, Bedürftigen einen kleinen Zuschuss zu gewähren."
Dabei handelt es sich bei den "Armutsschuldnern" durchaus um qualifizierte Arbeitskräfte, die "vor 20 Jahren noch von ihrem Gehalt leben konnten", wie Dietrich betont. Doch angesichts der steigenden Lebenshaltungskosten, speziell für Energie bleibe heute nicht mehr viel übrig.
Entsprechend lang ist die Warteliste, auf der zurzeit 100 Personen stehen. Im Schnitt dauert es zwischen sechs und acht Monaten, bis sie in eine intensive Beratung einmünden. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs, denn nur ein Bruchteil der Betroffenen nimmt auch Hilfe in Anspruch. Insgesamt traten im vergangenen Jahr 732 Personen in Kontakt zur Schuldnerberatung, davon erhielten 270 eine Kurzberatung. In dringenden Fällen bietet Spaz eine offene Sprechstunde an.
Aber nicht nur die Klientel von Spaz durchläuft eine finanzielle Durststrecke. Auch in der Beratungsstelle sind nach Personalabbau wegen knapper Kasse nur noch vier Beratungskräfte im Einsatz. Das entspricht etwas mehr als drei Stellen, rechnet Dietrich vor. "Wir sind froh, dass wir unser Pensum noch so gut gestemmt haben", erklärt er. Doch könnten noch mehr Menschen von unserem Angebot profitieren, hätte das Land die Zuschüsse nicht seit zwölf Jahren gedeckelt.
Sabine Jakob
Mainzer Rhein-Zeitung vom 18.04.2011
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