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Nach zwölf Jahren schuldenfrei: Die Geschichte einer Mainzerin, die Privatinsolvenz anmelden musste
Ein Privatinsolvenzverfahren hat der Mainzerin Claudia Müller (Name geändert) den Weg zurück aus der Schuldenfalle geebnet.
MAINZ. Fehler machen viele, wenn sie jung sind – so auch Claudia Müller. Doch nicht jeden verfolgen die Jugendsünden über Jahre hinweg. Claudia Müller war 23, als sie 1996 Urlaub auf Teneriffa machte. Hier verliebte sich die Mainzerin Hals über Kopf in einen Deutschen. Es folgte in atemberaubender Geschwindigkeit: Hochzeit, Umzug nach Teneriffa, Schwangerschaft. Wenige Monate später war Claudia Müller zurück in Mainz: ohne Mann, ohne Job, mit Säugling und über 30.000 Mark Schulden, die ihr Mann gemacht hatte. Ihre Rettung war das Verbraucherinsolvenzverfahren, das jetzt – zwölf Jahre nach jenem Urlaub – abgeschlossen ist.
1997 gab es die Möglichkeit noch nicht, privaten Konkurs anzumelden – ein Verfahren, nach dem dem Schuldner die Restschuld erlassen wird. Und so stand Claudia Müller zunächst mit einem schier unüberwindbaren Schuldenberg da. Als junge Mutter ohne Einkommen konnte sie nichts tilgen, Zinsen machten das Problem stetig größer.
Dabei war es nicht einmal sie selbst gewesen, die ihr Geld verprasst hatte, sondern ihr Ehemann. Ohne ihr Wissen hatte er regelmäßig Geld von ihrem Konto abgehoben, außerdem mit ihrem Handy ständig nach Deutschland telefoniert. Die Rechnungen und Mahnungen gingen nach Deutschland – die junge Frau bekam auf Teneriffa überhaupt nichts mit. „Ich war total blind“, sagt sie heute.
Das einzige, was ihr blieb, als sie nach Mainz zurückkehrte, war die Schwangerschaftslatzhose, die sie am Leib trug. Doch die Anwälte von Bank und Telekom schickten Mahnbescheide, Inkassobüros und Gerichtsvollzieher folgten. „Jeder Brief war ein neuer Schock“, erinnert sich Claudia Müller heute. Hilflos stand sie vor der Aussicht, bis an ihr Lebensende Schulden zu haben. Doch 1999 zeigte sich mit einer Gesetzesänderung Licht am Ende des Tunnels – überschuldeten Privatpersonen können seitdem in einem vereinfachten Insolvenzverfahren ihre Schulden erlassen werden.
Bevor es allerdings soweit ist, müssen die Schuldner mehrere Jahre lang die Forderungen ihrer Gläubiger im Rahmen ihrer Möglichkeiten erfüllen. Claudia Müller lag unterhalb der Zumutbarkeitsgrenze – als Halbtagskraft verdiente sie so wenig, dass nichts gepfändet werden konnte. Ihre Finanzen musste sie fünf Jahre lang einem Treuhänder offen legen.
Begleitet hat sie während der gesamten Zeit die Spaz Schulden- und Insolvenzberatung. „Zu uns kommen Menschen, deren Schulden so hoch sind, dass sie sie nicht aus eigener Kraft zurückzahlen können“, sagt Leiter Bernhard Dietrich. Kostenlos machen er und seine Kollegen eine Bestandsaufnahme, erstellen einen Haushaltsplan und helfen gegebenenfalls bei der Beantragung der Insolvenz. Die Zahl der Hilfesuchenden steigt von Jahr zu Jahr, 2007 wurden rund 700 persönlich beraten.
Claudia Müller ist diesen Weg zu Ende gegangen: 2006 wurde sie von ihrer Restschuld befreit. Wenn in diesem Jahr noch der Schufaeintrag gelöscht wird, ist sie endlich frei.
Stephanie Mersmann
Mainzer Rheinzeitung vom 18.02.2008
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